<<<Nur peinlich!...

...wäre zu akzeptieren: Mit Stolz verbreitet unser Geschäftsmann die Internetadresse seiner neuen Homepage. Er selbst hat natürlich kein weiteres Interesse an seiner Webseite und meint lediglich dem Hype um das neue Medium gerecht zu werden, musste es eben sein. Hat ja jeder der etwas auf sich hält! Es gehört eben einfach zum guten Image online zu sein und die Konkurrenz schläft nicht. Ist das wirklich so? Ganz und gar nicht! Voller Erwartung besuchen die ersten User die neue Präsentation unseres Geschäftsmann. Im Gegensatz zu unserem Geschäftsmann nutzen diese Besucher jedoch das Internet für Recherche, Einkauf, Informationsbeschaffung oder Kommunikation und kennen sich recht gut aus. Sie haben Erfahrung mit dem Internet und wissen ganz genau worauf es bei einer Präsentation ankommt. Genau für diese Menschen und nicht für sich selbst hat unser Geschäftsmann doch seine Präsentation von einem "Profi" erstellen lassen! Schnell die URL eingegeben und ab auf die neue Seite unseres Geschäftsmannes.

Soll man nun Lachen oder Weinen denken sich die ersten Besucher. Lachen über das primitive Design welches 10000 andere Webseiten auch noch haben da es ja nur aus einer begrenzten Anzahl von Vorlagen aus dem Homepage Bastelprogramm NetObjects Fusion kopiert wurde, die völlig irritierende Navigation welche überhaupt nicht funktioniert oder die maßlos schlecht bearbeiteten Bilder welche jede ISDN Leitung in die Knie zwingt weil sie nicht einmal komprimiert wurden und doch so klein sind das man nichts erkennen kann. Wie kann das sein denkt sich der Besucher. Zwei Bilder auf der Seite und so lange Ladezeiten. Ahhh... unser "Profiwebdesigner" war ein ganz fixer, anstatt die Bilder zu komprimieren und zu Resizen, hat er die Originalbilder seiner neuen DigiCam in 1024x768px genommen und NetObject Fusion nur mitgeteilt das das Programm die großen Bilder einfach kleiner anzeigen soll. Das dabei sich an der Bytegröße des Bildes nichts ändert war unserem "Profi" fremd. Und heute hat ja auch jeder DSL, was sind da schon 400KB für ein Bild.

Oder soll man doch besser Weinen, weil man ja die Firma des Geschäftsmannes kennt und weiß das so, wie sie hier präsentiert wird, einfach nicht ist. Die Geschäftsräume sind sauber und niveauvoll eingerichtet, das Personal freundlich und immer gut gekleidet. Alles in allem schätzt man die Firma sehr seriös ein. Unsere User finden einfach keine Paralelen zwischen Homepage und realer Firma. Diese User haben noch einmal Glück gehabt, denn sie Lächeln nur über das was sie sehen und werden sich ihren Teil denken.

Die unwissenden: Aber was ist mit den Usern, welche den ersten Kontakt mit der Firma unseres Geschäftsmannes über das Internet machen? Ohne Frage ziehen diese natürlich sofort ihre Konsequenzen und suchen den nächsten Anbieter auf, dessen Präsentation Stielvoller und Kundenfreundlicher ist. Ihnen bleibt auch gar nichts anderes übrig, da unser "Profiwebdesigner" nicht einmal in der Lage war dem Geschäftsmann das wichtigste an sich zur Verfügung zu stellen. Einen Kontaktbereich! Jeder User bekommt das grübeln, wenn er lediglich eine Kontaktadresse im Impressum sieht und keinen Verweis zu einer E-Mail, geschweige dem ein benutzerfreundliches Kontaktformular. Dies konnte unser "Profiwebdesigner" auch gar nicht dem Geschäftsmann anbieten, da es wieder eine der Funktionen ist, welche nicht von dem Homepage Bastelprogramm unterstützt wird, das er für seine "Programmierung" benutzt.

Für diese Gruppe von Usern ist unser Kunde völlig uninteressant. Ihm wird umgehend der Stempel „[ Unseriös ]“ aufgedrückt. Was ist passiert? – Genau das, was der Geschäftsmann eigentlich mit seiner Homepage erreichen wollte, nämlich neue Kunden gewinnen und sich Zeitgemäß präsentieren, hat im unser "Profiwebdesigner" mit seiner fachmännischen Arbeit verhindert. Einen Imageverlust und eventuelle Umsatzeinbußen hat unser Geschäftsmann also gleich mitbezahlt.

Wissen was man will: Unser Geschäftsmann hätte besser daran getan, den Webdesigner nicht nach seinen Sympathiepunkten auszusuchen. Man kennt sich, man macht Geschäfte miteinander, unser planloser "Profiwebdesigner" bekommt den Auftrag.

Dies ist leider nicht Realitätsfremd und wird gerade in unserer Region seit Jahren praktiziert. Zustande gekommen sind Internetpräsentationen von Firmen, Vereinen, Städten und Gemeinden, welche ohne jeglichen Zweifel für Außenstehende ein erschütterndes Bild liefern müssen. Webseiten, welche seit Jahren zwar ein Kontaktformular haben, aber man nichts versenden kann weil unser "Profi" eben nicht in der Lage ist mit Mail-Komponenten umzugehen. Webseiten, deren Navigation so klever aufgebaut ist, dass bei jedem Link innerhalb der Internetseite ein neues Fenster aufgerufen wird. Für was gibt es denn auch Multitasking. Und weil Windows XP eine Funktion hat, mit der man ganze Gruppen von geöffneten Objekten closen kann, stört das nicht weiter. Unser Webdesigner hat anscheinend keine Kenntnisse im Umgang mit „Link Targets“. Zwanzig mal auf einen Link geklickt und schon verabschiedet sich der Browser weil er mehr als 20 Fenster nicht verwalten kann trotz Multitasking. Webseiten mit Verlinkungen zu Seiten die es gar nicht mehr gibt. Webseiten deren Link den User zu einem völlig anderen Ziel bringt als das man ausgewählt hatte. Webseiten ohne Gästebuch, obwohl der Kunde eines wollte. Webseiten deren Content nur aus Bildern besteht, welche zu unübersichtlichen Collagen zusammen geschustert wurden. Hier hat unser "Profiwebdesigner" zwar vorbildlicher Weise ein Imagemap verwendet um Teile der Collagen auch größer darstellen zu können, doch möchte man das Bild sehen, öffnet sich ein völlig anderes Bild. Besucherzähler ohne Reloadsperre, welche somit nicht die Besucher sondern die Seitenaufrufe zählen, Webseiten mit Bildern die nicht mehr vorhanden sind und somit nicht angezeigt werden können…

Dies sind nur ein paar wenige der Fehler, die unser anscheinend doch unwissender "Profi" bei jedem seiner Projekte wiederholt. Aber wie schon erwähnt, man muss es dem Kunden nur gewitzt erklären können und das kann eben nicht jeder!

<<<Es geht auch anders

Anstatt dem Geschäftsmann ein Content Management System zu programmieren, mit welchem er in der Lage ist umgehend auf Veränderungen seines Angebotes bzw. diverser wichtiger Informationen zu reagieren und ihm damit die Möglichkeit schafft, von seinem Büro aus Änderungen vor zu nehmen, geht hier der Weg stets über unseren "Profi". Langwierig und auch nicht besser als der Geschäftsmann es könnte. Aber wir müssen alles Essen und eine Internetpräsentation die der Geschäftsmann selber pflegen kann bringt keinen Umsatz. Warum sich also mit Themen wie PHP, JSP, ASP, XML, .NET, SQL, MySQL, Access, IIS, Template, SSI, VB-Script, Java oder JavaScript befassen denkt sich unser "Profi".

<<<Fazit

Da wäre es doch gescheiter, unser Geschäftsmann wäre nicht online und hätte sich diese Blamage erspart. Das Internet ist schon seit Jahren keine Spielwiese mehr für realitätsfremde Teenager. Es ist auch nicht mehr dass Medium der Zukunft. Es sei denn man denkt wie unser Geschäftsmann für den es in erster Linie nur eine Geldausgabe war, eine Homepage erstellen zu lassen. Das Internet hat einen festen Platz auch in der Wirtschaft eingenommen und ist nicht mehr weg zu denken. Bei Betrachtung solcher Präsentationen wie sie unser "Profi" bastelt, fühlt man sich in Zeiten zurück versetzt, in denen es weder W3C-Standards gab und das Thema noch lautete „Dabei sein ist alles“.

Unser Geschäftsmann kann weiterhin mit solchen "Genies" zusammen arbeiten. Die Konkurrenz wird sich freuen. =)

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